Schock-Fotos zeigen oder nicht?

Von: dpa

Meldung vom 08.09.2015

Ab Klasse 6  

Quiz von Silke Fokken

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Berlin (dpa) - Das Thema ist überall zu hören: In Zeitungen, Internet, Radio und Fernsehen geht es Anfang September immer wieder um Flüchtlinge, die vor Krieg und Armut nach Europa fliehen. Einige Leute haben sich fast an die traurigen Meldungen gewöhnt - da taucht ein besonderes Foto auf. Es löst bei vielen Menschen weltweit Traurigkeit und Entsetzen aus.

Auf dem Bild ist ein totes Flüchtlingskind zu sehen. Ein Mann trägt den kleinen Jungen am Strand in seinen Armen. Er ist im Mittelmeer ertrunken. Seine Familie hatte versucht, über das Meer nach Europa zu kommen. Es ging ihnen so wie vielen anderen Flüchtlingen. Sie sehen keinen anderen Ausweg, als sich auf die lebensgefährliche Reise in unsicheren oder überfüllten Booten einzulassen. Einige kommen heil in Europa an, andere schaffen das nicht, etwa weil die Boote untergehen.

Viele Menschen waren sehr traurig, als sie das Foto des toten Kindes sahen. Ihnen wurde dadurch noch einmal klar, wie schlimm und gefährlich die Lage für die Flüchtlinge ist. Einige Menschen fanden es aber falsch, dass das Bild in einigen Nachrichten gezeigt wurde. Sie meinten, das helfe den Flüchtlingen nicht und sei taktlos. Viele Leute diskutierten über die Frage: Sollten solche Schock-Fotos veröffentlicht werden? Oder nicht? Die Meinungen waren ganz verschieden.

Edda Eick, eine Expertin für Medien, erklärt: "Fotos lösen verschiedenste Gefühle in uns aus: Wut, Enttäuschung, Trauer. Aber auch Glück, Erleichterung und Freude. Fotos können Menschen informieren oder sie unterhalten." Manche Medien zeigen schockierende Fotos, weil sie ihren Leserinnen und Lesern schreckliche Dinge deutlich machen wollen. Die Menschen sollen darüber nachdenken. Es macht einen Unterschied, ob man von Tausenden Flüchtlingen hört. Oder ob man plötzlich einen einzelnen Flüchtling sieht. "Durch Fotos bekommen Zahlen ein Gesicht", erklärt die Expertin.

Aber viele Menschen finden es trotzdem falsch, Schock-Fotos zu zeigen - und zwar nicht nur wenn es um die Flüchtlinge geht, sondern auch etwa um schlimme Unfälle oder andere Katastrophen. Sie finden, dass dies für die Menschen, die auf den Fotos zu sehen sind, und für ihre Familien schlimm sein könnte. Außerdem sagen Kritikerinnen und Kritiker: Einige Medien wollen mit den Fotos gar nicht so sehr informieren. Es geht ihnen bei den krassen Bildern vor allem darum, Geld zu verdienen. Sie wollen mit den Fotos Leute anlocken, damit sie etwa ihre Zeitung kaufen.

Es gibt auch Medien, die sich dagegen entscheiden, schockierende Fotos zu veröffentlichen. "Sie zeigen die Bilder nicht, weil sie finden: Ein Text reicht aus, um zu erklären, wie schlimm eine Sache ist", erklärt die Expertin. "Reporter haben jedenfalls eine wichtige Aufgabe: Sie müssen immer wieder aufs Neue entscheiden, ob und wie sie ein Foto zeigen."


Verschwommene Stellen auf Fotos

Ist das Foto kaputt? Das könnte sich jemand fragen, der bestimmte Bilder in Zeitungen, im Internet oder Fernsehen anschaut. Auf den Bildern wurden aber absichtlich Stellen unkenntlich gemacht. Zum Beispiel sind Gesichter oder Namen verschwommen. Reporterinnen und Reporter haben dafür einen besonderen Ausdruck. Sie sagen: Ein Foto wurde gepixelt.

Zum Pixeln entschließen sich manche Medien, wenn sie finden: Etwas sollte oder darf nicht erkennbar sein, wie etwa das Gesicht eines Toten. Schließlich kann sich derjenige nicht mehr gegen das Zeigen des Fotos wehren. Auch für die Familie des Toten kann es schlimm sein, wenn sie einen geliebten Menschen so sehen muss.
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